Autor(en)
Waibel, Jens
Titel
Die deutschen Auslandsschulen - Materialien zur Außenpolitik des Dritten Reiches
Ort / Verlag
Frankfurt, Oder: Universitätsbibliothek der Europa-Universität Viadrina Frankfurt: Universitätsbibliothek der Europa-Universität Viadrina Frankfurt
Erscheinungsjahr
2012
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Quelle
FIS Bildung Literaturdatenbank (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung)
Beschreibungen
Die systematische Analyse der Entwicklung der deutschen Auslandsschulen in der Zeit des Nationalsozialismus, bisher aufgrund unzureichend erschlossener Quellenlage nicht vorliegend, zeigt die weltweite Reichweite aber auch lokale Durchsetzungsschwierigkeiten des nationalsozialistischen Bildungssystems. Die Schulen befinden sich in einer antagonistischen Grundkonstellation: Einerseits angebunden an das deutsche Schulsystem, andererseits mit teilweise erheblicher räumlicher Entfernung zum deutschen Staatsgebiet, multiethnischer Zusammensetzung der Schüler- und Lehrerschaft sowie größtenteils privater Trägerschaft. Die politisch motivierte Einflussnahme auf die Auslandsschulen stellt sich in drei zeitlichen Stufen dar. Zunächst die Gleichschaltung der Lehrerschaft, Trägervereine und Schulvorstände der Schulen und beginnender, ab 1934 massiver Exodus jüdischer Schüler. Das Ende dieser Periode stellt die Veröffentlichung der neuen Prüfungsordnung für die höheren deutschen Auslandsschulen 1935 dar. Darauffolgend die Phase der Konsolidierung nationalsozialistischer Kräfte und Gedankengut an den Schulen. Ab 1935 gelangen nationalsozialistische Propaganda und Unterrichtsauftrag ungefiltert an die Auslandsschulen. Kritische Stimmen, wie sie noch 1933 und 1934 zu hören waren, verstummten aufgrund des konsequenten Austauschs beim Lehrpersonal und bei den Schulvorständen. Schließlich mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erfolgt die Verstärkung des direkten Einflusses des Dritten Reichs auf Schulleben und Unterrichtspläne in den Achsenstaaten und besetzten Gebieten. Die deutschen Auslandsschulen in den neutralen Ländern sind in einer Sonderstellung, dort wird weiterhin die Gesetzeslage des Gastlandes beachtet. Es erfolgen Schließungen der deutschen Schulen in den alliierten Staaten und deren Verbündeten. Die Gleichschaltung der Auslandsschulen bis 1936 wurde befördert durch den gezielten Einbau von Parteimitgliedern der NSDAP bzw. deren Sympathisanten in die Schulvorstände. Neben der Auslandsorganisation der NSDAP entwickelte sich der 1933 gegründete Gau Ausland des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) zu einer zweiten Stütze der NSDAP im Ausland. Im Dritten Reich verdrängte dieser Gau den bestehenden alten Auslandslehrerverband, indem die aktiven Auslandslehrer in großer Zahl dem neuen Gau beitraten. Über den NSLB gelangte nationalsozialistisches Gedankengut an die Auslandsschulen. Letztlich setzten sich die Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung flankiert durch die Unterstützung der Parteidienststellen und die Weisungen der Reichsministerien durch. Vor allem das lehrende Personal stand im Fokus der Einflussnahme der Schulen durch die Parteidienststellen. Die Gliederungen der NSDAP waren von Beginn an bestrebt, die "nationalpolitische Zuverlässigkeit" der Lehrer bei deren Auswahl prüfen zu lassen. Die bereits vor 1933 eingestellten Lehrer wurden in der Folgezeit durch die lokalen Ortsgruppenleiter überprüft. Das zu entsendende Lehrpersonal wurde ab 1934 nach seiner politischen Einstellung ausgewählt und durchlief vor der Entsendung eine politische Schulung des NSLB. Schon die Machtübernahme 1933 hatte zu Abmeldungen jüdischer Schüler von Auslandsschulen geführt, insbesondere nach Verabschiedung der Hochschulzugangs-beschränkungen im Reich im April 1933. Ab 1938 ist eine gezielte Verdrängung von manchen Schulen feststellbar. Ab 1933 erfolgte ebenfalls eine verstärkte Einflussnahme auf die Lehrinhalte der Auslandsschulen. Ab diesem Zeitpunkt gab der für die Fachaufsicht über den zu vermittelnden Unterricht an den Auslandsschulen zuständige "Gutachterausschuss für das Schulwesen im Auslande" im RMI systemkonforme Lehrpläne für jede einzelne Unterrichtsdisziplin heraus. Wegweisend für die Lehrinhalte der Schulen war eine Grundsatzrede des Reichsinnenministers Frick im Jahre 1933 über die Umgestaltung des Unterrichts im Dritten Reich. Die grundlegenden Elemente dieser Rede fanden Einzug in die 1935 vom Reichserziehungsministerium erlassene neue Prüfungsordnung für die höheren deutschen Auslandsschulen. Insgesamt ergibt der systematische Vergleich jedoch eine hohe Diversität der Schulen bezüglich der Rezeption der Vorgaben, beeinflusst von ihrer geographischen Lage und personellen Zusammensetzung. Die Bandbreite reicht von unmittelbarer bzw. vorauseilender Anpassung an den neuen Geist wie etwa bei den Schulen in Alexandria oder La Paz, über erhebliche Widerstände, die späterem Druck weichen mussten (z.B. in Montevideo und Guatemala) bis hin zu einer eigenen Widerstandsgründung, der Pestalozzischule in Buenos Aires. (Orig.). The systematic analysis of the development of the German schools abroad during the Third Reich shows the global reach but also local enforcement difficulties of the National Socialist education system. The schools are located in an antagonistic constellation: on the one hand tied to the German school system, on the other hand with considerable spatial distance from the German territory, multi-ethnic composition of the students and teaching staff, as well as mostly based on a private funding body. The politically motivated interference in the schools can be observed in three temporal phases. Initially the Gleichschaltung of the teaching staff, school associations and school boards as well as after 1934 massive exodus of Jewish students. The end of this period is the publication of the new examination regulations for the German secondary schools abroad in 1935. Next phase is the consolidation of Nazi forces and ideas in the schools. After 1935, Nazi propaganda and its pedagogic concept reach the schools abroad in an unfiltered way. Critical voices, that still could be heard in 1933 and 1934, silence due to consequent replacement of teaching staff and members of the school boards. Finally with the outbreak of World War II, further strengthening of the direct influence on school life and curricula in the axis States and occupied territories takes place. The German schools in the neutral states are in a special position. There the legal situation of the host country is still respected. Closures of German schools in the allied States and their allies are carried out. The Gleichschaltung of the schools until 1936 was promoted by the targeted placement of members of the NSDAP or its sympathizers into the school boards. Besides the "NSDAP-Auslandsorganisation", the 1933 founded "Gau Ausland" of the National Socialist Teachers Association (NSLB) happened to be a second pillar of the Nazi party abroad. It started to replace the existing "Association of German teachers abroad" when active teachers joined the new branch of the association in large numbers. Finally the supporters of the National Socialist spirit prevailed supported by the party departments and the instructions of the Reich ministries. Above all the teaching staff was in the focus of the influence by the party services. From the very beginning, the departments of the Nazi party made efforts to check the "National political reliability" of the teachers in the course of their selection. The teachers that had been hired before 1933 were subsequently reviewed by the local group leader. After 1934 the teaching staff was consequently chosen according to its political attitude and underwent a political training of the NSLB before being sent abroad. Already the takeover of 1933 led to deregistrations of Jewish students from schools abroad, especially after the University access restrictions in the Reich had been adopted in April 1933. A targeted displacement of Jewish students from some of the schools can be observed from 1938 on. From 1933 on, a greater influence was also exerted on the curricula of the schools. After 1933 the "Expert Committee responsible for the education system abroad" in the Ministry of the Interior of the Reich (RMI), competent for supervising the teaching content at the schools abroad, issued curricula in conformity with the political system for each individual discipline. A keynote speech of Minister of the Interior Frick about the transformation of teaching in the Third Reich in 1933 was groundbreaking for the curricula of the schools. The basic elements of this speech were introduced in the new examination regulations for the German secondary schools abroad issued in 1935 by the Education Ministry of the Reich. Nevertheless, the systematic comparison of the German schools abroad in the era of the Third Reich, shows a high diversity regarding their reception of the provisions. It was influenced by their geographical location and the composition of the individuals. The spectrum ranges from immediate or advanced adaptation to the new spirit (observable in the schools in Alexandria or La Paz), over considerable resistance, that had to give way to later pressure (e.g. Montevideo and Guatemala) up to a resistance school foundation, the Pestalozzischule in Buenos Aires. (Orig.).
Format
Sprache(n)
Deutsch
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Schlagwörter
Auslandsschule, Drittes Reich, Geschichte (Histor), Außenpolitik, Dissertation
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